Der Asteroid, der näher als unsere Satelliten vorbeifliegen wird
Inhalt
NASA/JPL-Caltech
Eigenschaften des Asteroiden
Goldstone-Radarbilder von Apophis, März 2021. NASA/JPL-Caltech
99942 Apophis ist ein erdnaher Asteroid von etwa 370 Metern Durchmesser — ungefähr so hoch wie das Empire State Building. Er gehört zur Aten-Gruppe und umkreist die Sonne in 323,6 Tagen bei einer mittleren Entfernung von 0,922 AE, wobei er die meiste Zeit innerhalb der Erdbahn verbringt. Apophis wurde am 19. Juni 2004 von den Astronomen Roy Tucker, David Tholen und Fabrizio Bernardi am Kitt Peak National Observatory entdeckt. Benannt ist er nach Apep, der altägyptischen Schlangengottheit des Chaos und der Finsternis — dem Widersacher des Sonnengottes Ra.
Erdnahe Asteroiden
NASAs NEO Surveyor — die nächste Generation der Asteroidenjäger. NASA/JPL-Caltech
Erdnahe Asteroiden (NEAs) sind Gesteinsreste aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, deren Bahnen sie bis auf 1,3 AE an die Sonne heranführen. Über 35.000 NEAs wurden bisher katalogisiert, von hausgroßen Brocken bis zu Objekten von mehreren Kilometern Durchmesser. Jene, die größer als 140 Meter sind und innerhalb von 0,05 AE an der Erde vorbeifliegen, erhalten die Bezeichnung Potenziell Gefährlicher Asteroid (PHA) und werden weltweit von Planetenverteidigungsprogrammen aktiv überwacht. Sie werden in drei Bahnfamilien eingeteilt:
Die Annäherung 2029
Apophis wird innerhalb des Rings geostationärer Satelliten vorbeifliegen. NASA/JPL-Caltech
Am Freitag, dem 13. April 2029, wird Apophis in nur etwa 31.600 km Entfernung an der Erdoberfläche vorbeifliegen — näher als die geostationären Kommunikationssatelliten in 35.786 km Höhe. Für ein kurzes Zeitfenster wird der Asteroid mit bloßem Auge sichtbar sein und eine scheinbare Helligkeit von etwa 3,1 mag erreichen, vergleichbar mit Polaris. Beobachter in Europa, Afrika und Westasien haben die besten Sichtbedingungen, wenn er als schnell wandernder Lichtpunkt über den Himmel zieht.
Eckdaten
Die Geschichte einer Einschlagswarnung
Als Apophis 2004 erstmals beobachtet wurde, ergaben erste Bahnberechnungen eine Einschlagswahrscheinlichkeit von 2,7 % für 2029 — die höchste jemals für einen Asteroiden ermittelte. Mehrere angespannte Wochen lang stand die Welt vor der realen Möglichkeit eines zivilisationsbedrohenden Einschlags. Weitere Beobachtungen verfeinerten die Bahn stetig und schlossen schließlich jede Kollision aus — doch der Schrecken offenbarte sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Grenzen unserer planetaren Überwachung.
Was Wissenschaftler lernen werden
Der Vorbeiflug 2029 ist eine beispiellose Gelegenheit für die Planetenforschung. Noch nie wurde ein Asteroid dieser Größe aus solcher Nähe beobachtet, und die Begegnung wird Daten liefern, die auf keine andere Weise zu gewinnen wären.
Keplers Bahnen und die Hauchdünne Sicherheit
Das Nightbase-Planetarium verwendet die klassische Keplersche Zweikörpermechanik zur Bahnberechnung — die eleganten Ellipsen, bei denen jeder Körper nur auf die Schwerkraft der Sonne reagiert. Unter diesen vereinfachten Berechnungen ergibt die vorhergesagte Bahn von Apophis eine Kollision mit der Erde nahezu am selben Datum, für das die NASA-Modelle die größte reale Annäherung vorhersagen.
Der Unterschied zwischen Katastrophe und sicherem Vorbeiflug liegt in gravitativen Flüstern ferner Welten — subtilen Impulsen, die erst sichtbar werden, wenn man jeden Körper berücksichtigt, der an jedem anderen zieht.
Der Unterschied zwischen Einschlag und sicherem Vorbeiflug in 31.600 km Entfernung liegt in den kleinen Schwerkrafteinflüssen durch Jupiter, Venus und den anderen Planeten — winzige Kräfte, die sich über Jahre ansammeln und die Flugbahn gerade genug verschieben. Die präzisen N-Körper-Simulationen der NASA, berücksichtigen den Einfluss jeder bedeutenden Masse im Sonnensystem. Es ist eine eindrucksvolle Veranschaulichung, wie zerbrechlich die Bedingungen für Leben auf der Erde sind. Unser Fortbestehen hängt von einem gravitativen Zusammenspiel außerordentlicher Präzision ab. Ein etwas anderer Jupiter, eine leicht verschobene Venus — und die Mathematik kippt vom Beinahe-Treffer zur Auslöschung.
Die Begegnung erleben
Erleben Sie die Begegnung von 2029 in Echtzeit-3D. Das Planetarium springt zum März 2029 und verfolgt Apophis, wie er an der Erde vorbeizieht — näher als unsere eigenen Kommunikationssatelliten.
Apophis-Tour startenQuellen & Nachweise
Bahndaten: NASA/JPL Center for Near Earth Object Studies (CNEOS). Bilder: NASA/JPL-Caltech, gemeinfrei. Radaraufnahmen: Goldstone Deep Space Network, März 2021.